C2C E-Commerce

Wie Soziale Medien zum Onlineshop werden

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Der Umsatz im Online- und Versandhandel in der Schweiz wächst jährlich. Den grössten Sprung konnte dabei laut Statista das vergangene Jahr verzeichnen, nämlich eine Steigerung von 10,3 Milliarden Franken in 2019 hin zu 13,1 Milliarden Franken in 2020. Dies ist sicher auf viele Covid-Einschränkungen zurückzuführen, indem Onlinebestellungen nicht nur bequemer und sicherer waren, sondern zeitweise auch die einzige Option. Beim Stichwort Onlineshop denken die meisten zuerst an klassische E-Commere-Plattformen wie Brack.ch oder Digitec.ch. Dabei handelt es sich um Business to Consumer Modelle. Weniger im Fokus der Allgemeinheit sind Shops, die Ihr Geschäft als Business to Business abwickeln, da diese oft für einen engeren Personenkreis konzipiert und daher auch nur diesem vertraut sind. Unterschätzt wird beim Thema E-Commerce jedoch gerne der Bereich Consumer to Consumer, der sich nach wie vor stark entwickelt.

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So tätigten im Jahr 2020 in Deutschland 33% aller Personen Verkäufe über das Internet, was einen neuen Höchststand darstellt. Auch die Anzahl der Marktplätze hat sich laut einer Studie von Ecom Consulting in den vergangenen 5 Jahren im DACH-Raum mit insgesamt 173 Portalen mehr als verdoppelt. C2C-Portale sind quasi das Online-Pendant zu gedruckten Kleinanzeigen. Dabei wird vom Anbieter eine Plattform zur Verfügung gestellt, auf der die User Ihre Produkte inserieren können. Einnahmen werden hierbei über eine prozentuale Kommission, gemessen am Verkaufspreis, erzielt. Neben professionellen Marktportalen erfreuen sich jedoch auch private Gruppen über Soziale Medien immer stärkerer Beliebtheit.

Vor- und Nachteile

C2C-Plattformen bieten die Möglichkeit Produkte unkompliziert an andere User zu verkaufen bzw. von diesen zu erwerben. Es gibt eine enorm grosse Auswahl und über Kundenfeedbacktools können sowohl Rezensionen zum Produkt, als auch zur Verkäuferleistung, verfasst werden. Der Preis wird dabei von den Verkäufern bestimmt und selbst reguliert. Über verknüpfte Social-Media-Kanäle können Produkte und auch Reseller dabei empfohlen und beworben werden. Da dies in der Regel über persönliche Accounts geschieht, ist das Vertrauen der Peergroup oft höher, als wenn ein klassischer E-Commece-Shop Werbung für sich betreibt.

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Vielmehr wird Werbung bei C2C als Empfehlung wahrgenommen. Nachhaltigkeit ist ebenfalls ein wichtiges Stichwort, das zunehmend Einzug in die Gedanken der User nimmt. Warum immer ein neues Produkt wie einen Schrank, ein Snowboard oder ein Natel kaufen, wenn es neuwertige Produkte zu einem deutlich geringeren Preis zu erwerben gibt? Über diese Portale und Gruppen hat der Verkäufer zudem den grossen Vorteil, mit wenig Zeitaufwand direkt eine hohe Anzahl von potentiellen Kunden zu erreichen. Vorsicht sollte dennoch immer geboten sein, denn C2C bietet auch Potential für Abzocker und Produktfälscher. Daher ist es essentiell die Produktbeschreibungen genau zu lesen und auch die Bewertungen, sowohl des Produkts als auch des Verkäufers, detailliert zu prüfen. Viele kommerzielle Marktplätze bieten mittlerweile die Möglichkeit, dass etablierte Verkäufer als vertrauensvoll ausgewiesen werden, nachdem sie ein bestimmtes Level erreicht haben. Auch auf Garantien und ggf. Originalrechnungen sollte bei Second-Hand-Produkten geachtet werden.

Weltweit

Gerade der asiatische Markt ist Vorreiter in Punkto C2C-Commerce, sowohl über klassische Plattformen wie Lazada oder Shopee, als auch über Social-Commerce. Aufgrund der hohen Mobile-Nutzung, sehr guter Netze und wenigen rechtlichen Restriktionen, konnte sich der C2C-Bereich dort sehr schnell entwickeln. So werden Plattformen wie Facebook und Messenger-Dienste wie Line (vergleichbar mit WhatsApp) für Abverkäufe und Produktwerbung genutzt, während diese Entwicklung in vielen europäischen Ländern noch ein wenig in den Kinderschuhen steckt, oder aufgrund datenschutzrechtlicher Bestimmungen nicht möglich ist. Etablierte Plattformen unterstützen diesen Trend und so wurde erst vergangenes Jahr beispielsweise eine Shopfunktion für Facebook und Instagram eingeführt. Der Gedanke des Social Commerce wird auch dadurch verdeutlicht, dass z.B. bei Lazada der Interessent eines Artikels jederzeit eine Live-Chat-Funktion mit dem Verkäufer nutzen kann. Dadurch wird der Prozess beschleunigt, sowie Vertrauen aufgebaut.

Schweiz

Vergleicht man die Schweiz mit anderen europäischen Ländern, so wird deutlich, dass der Markt deutlich fragmentierter ist und sich einige grosse Player wie Ebay und Amazon nicht in einem gleichen Ausmass etablieren konnten. Dies führte dazu, dass sich lokale Anbieter wie Ricardo, Tutti oder Anibis behaupten konnten. Das grösste Wachstum in der Schweiz verzeichnen jedoch die beiden chinesischen Plattformen Wish und Aliexpress, da sie sowohl mit günstigen Produktpreisen, als auch einer riesigen Auswahl, punkten können. Abgesehen von professionellen Marktplätzen etablieren sich auch immer mehr private Gruppen, um Produkte zu verkaufen. Exemplarisch möchten wir hier Zürich mit ca. 400.000 Einwohnern mit der Insel Phuket in Thailand mit ca. 415.000 Einwohnern vergleichen.

Quelle: Facebook / eigene Darstellung

Gibt man bei Facebook einschlägige Begriffe wie „Verkaufen in Zürich bzw. Phuket“ ein, so findet man einige Gruppen. Im direkten Vergleich wird jedoch sofort ersichtlich, dass sowohl die Gruppenengrössen für Zürich, als auch die Anzahl an Gruppen deutlich geringer ausfällt. C2C ist auch hierzulande auf dem Vormarsch und die User nutzen zunehmend diese Kanäle. Während klassische Marktplätze auch in der Schweiz sehr beliebt sind, ist die Nutzung von C2C Social Commerce über Soziale Medien im internationalen Vergleich jedoch noch gering. Es ist dennoch ein Trend, der auf dem Vormarsch ist und wir freuen uns bereits auf die weitere Entwicklung in den kommenden Monaten und Jahren.

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